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Suchmaschinenoptimiertes Schreiben

Suchmaschinenoptimiertes Schreiben – gibt es das überhaupt noch?

Hochwertiger Content ist einer der wichtigsten Rankingfaktoren – aber was bedeutet hochwertig in diesem Zusammenhang eigentlich genau? Neben verschiedenen Qualitätsmerkmalen spielt vor allem auch die Auffindbarkeit im Netz eine große Rolle. Und dazu müssen gewisse Rahmenbedingungen erfüllt sein. Man könnte also auch sagen: Suchmaschinenoptimiertes Schreiben – vom Suchen und Gefunden werden.

Sind suchmaschinenoptimierte Texte gleich SEO-Texte?

Kürzlich twitterte Google Senior Webmaster Trends Analyst John Müller, dass reine SEO-Texte oft lediglich Keyword-Stuffing sind und dem User keinen Mehrwert bieten.

Dasselbe gilt für Duplicate Content und Spam, also prinzipiell jegliche Art von wiederholtem, unerwünschtem und überflüssigem Content. John Müller betonte aber auch, dass Texte mit Mehrwert für den User von Google durchaus belohnt werden. In dieser kurzen Aussage liegt auch die Krux an der Sache. Der Grad ist schmal zwischen hochwertigen, suchmaschinenoptimierten Texten und überoptimierten SEO-Texten.

Klassischerweise sind SEO-Texte Inhalte auf einer Website, die so optimiert werden, dass sich dadurch das Ranking der Domain verbessert. Jedoch wurde diese Optimierungsmaßnahme in der Vergangenheit oft missbraucht, beispielsweise durch weiße Schrift auf weißem Grund. Das gefiel auch Google nicht. Deshalb wurde mit dem Panda Update 2011 der Google Algorithmus so angepasst, dass qualitativ minderwertige Inhalte „abgestraft“ und Content mit Mehrwert für den Nutzer besser bewertet wird. So wurde nicht nur die Keyword-Recherche, sondern der gesamte Bereich Suchmaschinenoptimierung revolutioniert.

Als grobe Richtlinie für bevorzugten Content gibt John Müller folgende Empfehlungen:

There’s no minimum length, and there’s no minimum number of articles a day that you have to post, nor even a minimum number of pages on a website. In most cases, quality is better than quantity. Our algorithms explicitly try to find and recommend websites that provide content that’s of high quality, unique and compelling to users. Don’t fill your site with low-quality content, instead work on making sure that your site is the absolute best of its kind.
– John Müller, Webmaster Trend-Analyst, Google Schweiz

Als Mehrwert versteht Google also qualitativ hochwertigen, einzigartigen Content, der den Leser fesselt. Was bedeutet das für suchmaschinenoptimiertes Schreiben? Und wie geht man sicher, dass die eigene Website in Googles Augen wirklich die Beste ihrer Art ist?

Richtig suchmaschinenoptimiert schreiben

„Oft sind die Sachen, die für den Nutzer kompliziert sind, für Suchmaschinen dann auch kompliziert.“, so John Müller. In anderen Worten heißt das, Texte sollten in erster Linie für den Leser geschrieben werden, und zwar so, dass sie für ihn verständlich sind. Um genauer zu verstehen, was damit gemeint ist, ist ein kleiner Exkurs in die sogenannte Verständlichkeitsforschung, aus der sich auch der Lesbarkeitsindex oder Flesch-Index entwickelt hat, hilfreich. Die Verständlichkeitsforschung basiert maßgeblich auf vier Säulen und zeigt auf, wie leserfreundlich und lesbar das Geschriebene gestaltet ist.

1. Am Anfang war das Keyword.

Schreiben wird gemeinhin als kreativer Prozess betrachtet. Dies gilt zwar auch für Online-Texte, jedoch nicht uneingeschränkt. Im Content-Marketing bzw. generell im Online-Bereich ist der Texterstellung ein entscheidender Faktor vorgelagert. Für suchmaschinenoptimierte Texte gilt daher eher: „Am Anfang war das Wort“ war einmal. Heute hängt an diesem Wort noch einiges mehr – der Schlüssel zum User. Eine Keyword-Recherche zur Ermittlung des passenden, einzigarten Schlüsselwortes für die jeweilige URL bildet die Grundlage eines jeden suchmaschinenoptimierten Textes. Das geeignete Suchvolumen spielt hierbei natürlich eine zentrale Rolle, dennoch darf auch eine Konkurrenzanalyse (oder schlicht: googeln!) nicht fehlen, um die Userintention zu ermitteln.

Um beim suchmaschinenoptimierten Schreiben die geeignete Keyword-Dichte zu treffen und so Keyword-Stuffing zu vermeiden, gibt es keine Faustregel. Das Haupt-Keyword sollte auf jeden Fall in der H1, einer H2 und mehrfach über den gesamten Text verteilt vorkommen. Jedoch ist es noch wichtiger, dass der Text dabei weiterhin natürlich klingt. Neben dem Keyword selbst sollten auch Synonyme verwendet werden. Google erkennt diese, ebenso wie themenverwandte Wordkombinationen und themenrelevante Begriffe – auch als semantisches Umfeld bekannt.

Keyword-Recherche

(Bildquelle: © by tumsasedgars / iStockphoto.com)

2. Ordnung ist das halbe Leben.

Ein Keyword allein reicht jedoch nicht, um eine möglichst lange Verweildauer auf Websites zu erzielen. Ein weiterer wichtiger Aspekt ist eine gut strukturierte, übersichtliche und leserfreundliche Aufbereitung der Website. Dabei spielt auch Typographie eine zentrale Rolle. Schriftart, Schriftgröße, Schriftfarbe, Zeilenabstand und Fettungen im Text beeinflussen die Lesbarkeit des Textes und somit auch die Bereitschaft des Users weiterzulesen.

Der Fließtext sollte zudem durch folgende Aspekte passend strukturiert werden:

  • Absätze
  • Aufzählungen
  • Zwischenüberschriften
  • Zentrierte Zitate
  • Interne Links mit Keyword im Ankertext
  • Bilder und/oder ein Video

Doch bei aller Liebe zur Ordnung, die Lesezeit des Users ist grundsätzlich beschränkt. Somit bleibt nicht viel Zeit, um die Aufmerksamkeit des Users zu wecken.

Google vertritt denselben Standpunkt:

„Plz put important things front and center“.

Spannungsbögen sind, wie bei klassischen Nachrichten, nicht gerne gesehen. Gerade unter der kontinuierlichen Ausbreitung von Voice Search und Featured Snippets wird dies immer wichtiger.

3. Die Sprache ist die Kleidung der Gedanken – auch von Googles!

Neben einer sinnhaften optischen Strukturierung des Textes sind vor allem sprachliche Elemente relevant. Sprache und Tonalität sind letztendlich entscheidend dafür, wie verständlich ein Thema transportiert wird – unabhängig von dessen Komplexität. Daher sollten Satzbau, Sprachstil, der Gebrauch von Fremdwörtern sowie die Auswahl des Vokabulars mit Bedacht gewählt werden. Eine verständliche, klare und bildhafte Sprache ist unabhängig von der Zielgruppe sinnvoll und beugt Missverständnissen vor. Deshalb sollte beim suchmaschinenoptimierten Schreiben auch immer das KISS-Prinzip (Keep it short and simple) im Hinterkopf behalten werden.

Korrekte Rechtschreibung und Grammatik sowie die Richtigkeit der Textinhalte sollten dabei eine Selbstverständlichkeit sein.

Generell ist ein einfacher und linearer Satzbau mit geläufigen Wörtern und vielen Verben empfehlenswert. Der Schreibstil sollte dabei immer die Sprache der Zielgruppe widerspiegeln. So positionierst du dich als Experte und begegnest dem Leser dabei trotzdem auf Augenhöhe. Für diesen Mittelweg gibt es keine Formel – darin liegt die Kunst des Schreibens.

4. Google liebt…, was dem Nutzer hilft!

Wenn unsere Grundannahme ist, dass Nutzer im Netz stets auf der Suche nach Lösungen von Problemen sind, sollten unsere Texte alle möglichen relevanten Fragen zu Problemstellungen des Nutzers beantworten. Daher gibt es auch bei der Textlänge keine klare Richtlinie. Sie sollte immer abhängig von der Komplexität des Themas und der Zielgruppe gestaltet werden. Eine Mindestanzahl von 500 Wörtern sollte dennoch generell angestrebt werden.

Welches Thema auch betextet werden soll, wichtig ist, dass es holistisch abgedeckt wird und jeder Text dabei trotzdem einzigartig ist. So wird zudem sowohl interne Konkurrenz verschiedener Unterseiten als auch externe Konkurrenz vermieden. Und da der erste Eindruck bekanntlich zählt, und das auch in der Suchergebnisliste, sollten unbedingt auch die Meta-Daten jedes Textes optimiert werden. Sie sind nicht nur Rankingfaktor, sondern können auch den Klick-Anreiz des Users erheblich beeinflussen.

Suchmaschinenoptimiertes Schreiben – nicht ohne den Nutzer

Werden diese vier Aspekte bei der Texterstellung berücksichtigt und auf die Zielgruppe angepasst, so wird auch die Fragestellung des Nutzers verständlich beantwortet. Wenn suchmaschinenoptimiertes Schreiben also bedeutet, mit Hilfe von gezielten Techniken einen natürlichen Lesefluss zu erzeugen, dann existiert es nach wie vor und ist bedeutender denn je. Die Zeit streng optimierter SEO-Texte ist jedoch definitiv vorbei. Und das ist auch gut so!

Der beste Text ist immer der, dem man beim Lesen nicht anmerkt, dass er suchmaschinenoptimiert ist. Das weiß nicht nur Google, sondern vor allem auch der Nutzer. Denn letztendlich ist er es, der entscheidet, ob ein Text hilfreich und relevant ist oder nicht. Streng genommen ist also auch der Begriff suchmaschinenoptimierte Texte nicht mehr zeitgemäß – nutzeroptimierte Texte ist eine treffendere Bezeichnung.

Oder in anderen Worten: „Write for Human beings, not for the machines!“ Und um dies zu verinnerlichen, hört ihr euch jetzt am besten noch dieses Lied an:

“Ho Hey SEO“ by Kat Haselkorn

Empfehlung: Wenn ihr herausfinden wollt, wie es um eure Website steht und ob ihr eure Texte noch anpassen müsst, solltet ihr euch Anke Probsts Vortrag zum Thema „Simple SEO Health Checks für jede Domain“ auf der diesjährigen OMK in Lüneburg am 27. September nicht entgehen lassen.

Viele Grüße
Unterschrift Julia Sertel

Bildquelle Titelbild : © by Merlas / iStockphoto.com

1 Kommentar

  1. Ich habe zunehmend gemerkt dass Seiten die schnell nach oben wollen/Traffic generieren müssen, mit Glossaren mehr bewirken als mit Blogs. Finde Hanns Kronenbergs Einschätzung von Sistrix dazu ganz passend.

    Zusätzliche Erklärung: In GLossaren muss man nicht den Stil oder Geschmack möglichst vieler Leser treffen wie bei einem Blog – die Befriedigung des Wissensdrangs, was ein Begriff egtl bedeutet, ist hier das A & O und recht einfach zu bedienen.

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