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Affiliate-Marketing Tipps: die 10 größten Mythen

In jeder Kultur gibt es sie: Mythen. Der Duden beschreibt einen Mythos auch als „eine meist verschwommene irrationale Vorstellung“. Irrationale Vorstellungen beobachten wir im Online-Marketing auch dann, wenn wir uns mit den unterschiedlichsten Fragen und Behauptungen zu unseren Fachbereichen konfrontiert sehen. Versuchen wir also, die Mythen und Irrtümer im Affiliate-Marketing aufzugreifen und die Fäden zu entwirren…

1. Affiliate-Marketing ist nur „etwas für die ganz Großen“

Tatsächlich ist es so, dass ein Affiliate-Programm wirtschaftlich erst richtig erfolgreich werden kann, wenn der Online-Shop bereits einen gewissen Grad an Traffic nachweist – also keine Nischenseite mehr ist. Denn je bekannter dein Shop ist, umso einfacher ist es, starke Partner zu generieren.

Allerdings ist Affiliate-Marketing längst nicht mehr eine Spielwiese, auf der sich nur die ganz großen Shops tummeln.

Die letzten Jahre haben gezeigt, dass Affiliate-Marketing sich durchaus für kleinere Shops lohnen kann. Die anfängliche Investition lohnt sich, denn mithilfe von Affiliate-Marketing können auch kleine Shops Kooperationen mit einer Vielzahl von unterschiedlichen Partnern (z.B. Influencern) eingehen. Affiliate Tipp: Gerade kleinere Shops mit neuartigen Produkten können bei Publishern gut punkten, wenn sie ihre USPs richtig kommunizieren.

2. Affiliate-Marketing nervt die Kunden

„Affiliate-Marketing – da werden dem Kunden doch überall ständig nervende Banner angezeigt?!“

Jein. Es stimmt zwar, dass im Affiliate-Marketing hauptsächlich Banner als Werbemittel genutzt werden, um potenzielle Kunden auf die Shopseite aufmerksam zu machen. Jeder User hat sich bestimmt schon einmal auf einer Seite befunden und wollte am liebsten vor lauter „Bling-Bling“ die Augen schließen. Aber das ist längst nicht mehr der Regelfall. Dein Affiliate-Marketing wird nicht als störend empfunden, wenn du folgende Punkte beachtest:

  • Gestaltung deiner Banner
    • Nutze ansprechende Produktbilder
    • Stelle USPs deines Shops in den Vordergrund
    • Verwende so wenig Text wie möglich
    • Setzte möglichste wenig auf „Bling-Bling“
  • Verzichte bei der Wahl der Partner auf Banner-Netzwerke & Co.
  • Stimme beim Einsatz von Retargetern vorher die Eckdaten ab, zum Beispiel, wie oft der User mit der Werbeleistung konfrontiert werden soll (Stichwort „Frequency Capping“)

3. Affiliate-Marketing bringt schnell Umsatz

Sollte sich ein Merchant für die Bewerbung seines Shops über Affiliate-Marketing entschieden haben, könnte der oben genannte Satz schnell auftauchen. Wieso auch nicht, könntest du an dieser Stelle meinen. Bei den anderen Online-Marketing-Kanälen funktioniert eine schnelle Akquise doch (meist) auch. Leider falsch. Im Affiliate-Marketing dauert es bei der Partner-Akquise einige Zeit, bis diese sich für das Programm angemeldet haben und die Werbeleistung erbracht wird. Hier werden echte Menschen als Partner aktiv und keine reinen Technologien – d.h. einfach so auf den Knopf drücken damit es läuft ist wohl eher Affiliate-Marketing der Zukunft, aber aktuell nicht umsetzbar.

Erfolgt die Bewerbung auch über Retargeting, musst du vorerst genügend Daten über die User gesammelt haben, um potenzielle Käufer mit den notwendigen Infos „bespielen“ zu können.

Wie lange es durchschnittlich dauert, bis dein Affiliate-Programm rentabel ist, hängt letztendlich auch stark von den beworbenen Produkten, den Partnern und der Betreuung des Affiliate-Programms ab. Letztgenanntes kann auch zum nächsten Irrtum führen.

4. Affiliate-Marketing ist ein „Selbstläufer“

Ständige Anpassungen am Markt setzen auch voraus, dass du dein Affiliate-Programm stets auf dem Laufenden hältst. Dazu gehört unter anderem, den Wettbewerb bezüglich gezahlter Vermittlungsprovision im Auge zu behalten. Bietet die Konkurrenz deutlich attraktivere Provisionsmodelle, kann es schnell sein, dass dein Partner zum Wettbewerber wechselt.

Sind die Banner, mit denen dein Shop beworben wird, veraltet, weil die darauf angezeigten Produkte nicht mehr zeitgemäß sind, wird die Klickrate vermutlich sinken und weniger Kunden kommen in deinen Shop, um einen Kauf abzuschließen.

Wird der Affiliate-Feed nicht aktuell gehalten, spielen Retargeter und Preisvergleicher Produkte aus, die bereits nicht mehr lieferbar sind.

Verschläfst du bei der Partnerwahl ggf. die neuesten Trends? Hast du deine bereits registrierten Partner nicht im Auge, fällst du schnell Betrugsversuchen, wie z.B. Brandbidding, zum Opfer.

Einer meiner wichtigsten Affiliate-Marketing Tipps ist es, dein Programm regelmäßig zu pflegen und mit den Publisher zu kommunizieren, da eine Zusammenarbeit immer auf Vertrauen basiert. Wenn du dein Konto zu lange vernachlässigst und deine Sales z.B. nicht regelmäßig validierst, können schnell durch ungültige Sales, Kundenstornierungen und im Extremfall Betrugsversuche hohe Kosten entstehen. Optimierungsversuche, um es mal positiv auszudrücken, gab und gibt es im Einzelfall sowohl auf Publisher- als auch auf Merchantseite, leider im Einzelfall auch außerhalb des Graubereich. Publisher generieren Sales die ihnen nicht zustehen, dies gilt es regelmäßig zu überwachen. Merchants hingegen „stornieren“ Sales unrechtmäßig, um die Provision zu sparen. Aber Vorsicht: wer als Merchant seine validen Sales zu oft storniert bekommt langfristig Probleme. Denn auch Publisher schauen sich ihre KPIs an und können schnell die Zusammenarbeit kündigen.

5. Affiliate-Marketing ist nicht die Zukunft, sondern tot

Der Mythos, dass Affiliate-Marketing aufgrund diverser Nachteile tot sei, hält sich schon seit vielen Jahren und wird durch wiederkehrende Äußerungen von vermeintlichen Online-Marketing Experten ständig angekurbelt. Affiliate-Marketing sei kompliziert, vergangenheitsorientiert, betrugsanfällig, negativ beladen und heutzutage nicht mehr datenschutzrechtlich konform. Dem ist aber nicht so. Zwar sind manche Kritikpunkte durchaus berechtigt, ein paar Affiliate-Marketing Nachteile gibt es u.U., aber viele gehören schon längst der Vergangenheit an.

Das Affiliiate Marketing hat sich in den letzten fünf Jahren stark entwickelt und auch 2020 geht die große Mehrheit der Publisher, Merchants, Agenturen und Netzwerke von steigenden Umsätzen aus. Die Branche macht sich inzwischen konsequent gegen Betrug stark und passt sich immer wieder den veränderten Umständen durch technische Neuerungen an. So setzen immer mehr Netzwerke und Merchants inzwischen auf First-party-cookies, Master Tags und Server-zu-Server Kommunikation, um die Vorgaben der DSGVO und der ePrivacy-Verordnung der EU zu erfüllen. Neue Affiliate-Geschäftsmodelle, wie z.B. das Influencer-Marketing, erfreuen sich immer größerer Beliebtheit. Affiliate-Marketing hat Zukunft und ist noch lange nicht tot.

Mund zugeklebt

6. Kommunikation unnötig? Ich bezahle den Publisher doch!

Dass du als Merchant jeden Partner bekommst, den du für die Bewerbung deines Shops haben möchtest, ist tatsächlich ein häufiger Irrglaube. Bei gefragten und traffic-starken Seiten ist es sogar längst typisch geworden, dass du um die Aufnahme deines Shops beim Partner „buhlen“ oder sogar „die Hosen runterlassen“ musst, indem du ihm Einsicht in die wichtigsten Kennzahlen deines Online-Shops gewährst.

Auch die Kommunikation in deinen bereits bestehenden Kooperationen sollte stets partnerschaftlich und von Transparenz geprägt sein: Es werden Änderungen am Affiliate-Programm vorgenommen, das Attributionsmodell ändert sich, und die Partner werden nicht rechtzeitig oder gar nicht informiert? Ein Vorgehen, von dem ich dir dringend abrate!

Affiliate Tipp: Täglich gibt es neue Affiliate-Programme in großen Netzwerken wie Belboon oder Awin, die auf den Markt drängen. Gekränkte Publisher halten nach Fauxpas vielleicht schon Ausschau nach neuen Partnerprogrammen und unterstützen dann lieber die Konkurrenz.

Uhr im Papierkorb - web-netz

7. Aktionen im Affiliate-Marketing = Zeit und Geldverschwendung?

Dieser Irrtum baut auf Punkt sechs auf. Oft werden Aktionen im Affiliate-Marketing nicht gestartet, weil der Shop-Betreiber der Ansicht ist, dass für den Partner nur die Höhe der Provision entscheidet.

Auch wenn die Provisionshöhe für viele Publisher ein wichtiger Indikator zur Bewerbung für ein Affiliate-Programm ist, spielt darüber hinaus die Bindung zu dir als Merchant eine wichtige Rolle. Ein weiterer Affiliate-Marketing Tipp ist, dass deine Partner Programme lieben, bei denen es etwas „on top“ gibt. Sei es die Verlosung eines ausgefallenen Gewinns oder die Erhöhung der Provision in einem bestimmten Zeitraum, um den Abverkauf zu stärken.

Solltest du eine Kommunikationspflicht mal nicht eingehalten haben oder musst du aufgrund der Marge die Vermittlungsprovision reduzieren, kann eine stärkere Bindung dazu beitragen, dass der Publisher die Partnerschaft trotzdem aufrechterhält.

Mehr zu den Vorteilen, die Aktionen im Affiliate-Marketing bieten und Tipps, wie diese umgesetzt werden können, findest du bei unseren Affiliate-Marketing Agenturleistungen.

8. Blogs generieren am meisten (Affiliate-)Sales

Hierbei handelt es sich tatsächlich um einen Mythos. Blogs stehen auf der Wunschliste von Merchants bei der Partnerwahl verständlicherweise oft ganz oben. Doch Blogs als Werbepartner für Affiliate-Kooperationen zu gewinnen, wurde im Laufe der Jahre komplizierter. Einige Blogbetreiber möchten ihren Blog „sauber“ halten und lehnen die Veröffentlichung von Werbung grundsätzlich ab. Andere Blogger wissen genau, wie gefragt ihre Seite ist und bieten sogar spezielle Mediapakete für Werbeleistungen an. Allerdings muss man dafür tiefer in die Tasche greifen, als man eigentlich die Konditionen für das Partnerprogramm angesetzt hat.

In den letzten Jahren hat sich das Affiliate-Marketing stetig weiterentwickelt. Cashback-Seiten, Preisvergleicher, Retargeter, Deal-Seiten und Gutscheinpartner generieren bis heute die meisten Sales. Jedoch nehmen neue Affiliate-Modelle durchaus zu. Während beispielsweise 2019 nur 14 Prozent der Merchants auf Influencer setzten, sollen es 2020 schon 34 Prozent sein.

9. Gutscheinpublisher und Preisvergleicher eignen sich nur für preiswerte Produkte

Oft wird behauptet, dass Affiliate-Marketing nur noch aus Gutscheinen besteht und dass diese mehr Schaden als Nutzen bringen, da die Kunden ja auch ohne Gutschein gekauft hätten. Dies stimmt auch teilweise, selbst wenn es heute schon diverse technische Möglichkeiten gibt, dieses Phänomen zu verhindern (Basket Freeze). Generell ist es immer wichtiger geworden, dass du als Merchant eine nachhaltige Gutscheinstrategie hast. So können z.B. für Gutscheinpartner andere Provisionsklassen gelten, Gutscheine explizit für Neukunden ausgeschrieben werden oder nur für begrenzte Aktionen bzw. Tage gelten.

10. Retargeting braucht doch keiner

Oh doch! Retartgeting ist die beste Möglichkeit, um Kunden, die sich bereits in deinem Shop bewegt, aber nicht kaufwillig gezeigt haben, wieder anzusprechen. Und um Retargeting optimal zu ergänzen, ist eine Kombination mit Pretargeting empfehlenswert: Hier werden potenziellen Kunden, die bisher noch nicht den Shop besucht haben, aber ähnliche Interessen und Kaufmerkmale aufweisen wie Bestandskunden, Werbebanner ausgespielt. Hierbei solltest du dich eng mit dem Partner – in diesem Fall dem Retargeter – austauschen, damit der „Nervfaktor“ nicht, wie oben erwähnt, zu groß wird.

Willst du mehr zum Thema Affiliate-Marketing-Hacks erfahren? In seiner Performance-Marketing-Prognose für 2020 blickt Nico auch auf das Thema Affiliate.

Ich hoffe, ich konnte dir einen kleinen Einblick in das Thema ermöglichen und über vermeintliche Affiliate-Marketing-Nachteilen aufklären bzw. –Mythen entkräften. Falls du noch Fragen hast, komme gerne auf mich zu!

Viele Grüße

Unterschrift Svenja

3 Kommentare

  1. Hi Svenja,

    das hast du das Thema Affiliate-Marketing super erklärt und das auch mal von einem anderen Blickwinkel. War sehr interessant zu lesen.

    Ich selbst betreibe selbst Affiliate-Marketing und verdiene damit passive Einnahmen :-).

    VG

  2. Hi Svenja,

    ich betreibe auch seit einiger Zeit Affiliate Marketing. Wenn ich davon erzähle, höre ich oft den Mythos 2!
    Schade das es so viele gibt, die um jeden Preis verkaufen wollen und dabei vergessen um was es eigentlich geht:
    Im Endeffekt empfehle ich doch etwas, was den Lesern weiterhelfen soll!

    Ich finde den übertriebenen, finanziellen Gedanken einiger Website-Betreiber auch schade, aber ich denke auch das das nicht mehr die Regel ist.

    Gruß Björn

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