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Die 10 größten Mythen im Affiliate-Marketing

In jeder Kultur gibt es sie – die Mythen. Der Duden beschreibt einen Mythos auch als „eine meist verschwommene irrationale Vorstellung“ . Irrationale Vorstellungen beobachten wir im Online-Marketing auch dann, wenn wir uns mit den unterschiedlichsten Fragen und Behauptungen zu unseren Fachbereichen konfrontiert sehen. Versuchen wir also, die Mythen und Irrtümer im Affiliate-Marketing aufzugreifen und die Fäden zu entwirren …

1) Affiliate-Marketing ist nur „etwas für die ganz Großen“

Tatsächlich ist es so, dass ein Affiliate-Programm wirtschaftlich erst richtig erfolgreich werden kann, wenn der Online-Shop bereits einen gewissen Grad an Traffic nachweisen kann. Denn je bekannter ein Shop ist, umso einfacher ist es natürlich, starke Partner zu generieren.

Allerdings ist Affiliate-Marketing längst nicht mehr eine Spielwiese, auf der sich nur die ganz großen Shops tummeln.

Um ein Affiliate-Programm zu starten, das sich auch rentiert, empfehlen wir eine Shopgröße von mindestens 20.000 Nutzern im Monat. Das ist aber nur eine erste „Daumengröße“. Faktoren wie zum Beispiel Branche, Produkte, durchschnittliche Nettowarenkorbwerte müssen auch immer in die Bewertung mit einfließen, ob eine Bewerbung über Affiliate-Marketing sinnvoll ist oder ob der Bekanntheitsgrad vorher noch durch andere Online-Kanäle gestärkt werden sollte.

2) Affiliate-Marketing nervt die Kunden

„Affiliate-Marketing – da werden dem Kunden doch überall ständig nervende Banner angezeigt?!“

Jein. Es stimmt zwar, dass im Affiliate-Marketing hauptsächlich Banner als Werbemittel genutzt werden, um potenzielle Kunden auf die Shopseite aufmerksam zu machen. Jeder User hat sich bestimmt schon einmal auf einer Seite befunden und wollte am liebsten vor lauter „Bling-Bling“ die Augen schließen. Aber das ist längst nicht mehr der Regelfall. Affiliate-Marketing wird nicht als störend empfunden, wenn folgende Punkte beachtet werden:

Bannerwerbung web-netz

  • Gestaltung der Banner
    • Ansprechende Produktbilder
    • USPs des Shops in den Vordergrund stellen
    • So wenig Text wie möglich
    • Wenig „Bling-Bling
  • Bei der Wahl der Partner auf Banner-Netzwerke & Co. verzichten
  • Bei dem Einsatz von Retargetern vorher die Eckdaten abstimmen, zum Beispiel, wie oft der User mit den Bannern konfrontiert werden soll (Stichwort „Frequency Capping“)

 

3) Affiliate-Marketing bringt schnell Umsatz

Sollte sich ein Merchant für die Bewerbung seines Shops über Affiliate-Marketing entschieden haben, könnte der oben genannte Satz schnell auftauchen. Wieso auch nicht, könnte man an dieser Stelle meinen. Bei den anderen Online-Marketing-Kanälen funktioniert es doch (meist) auch. Leider falsch. Im Affiliate-Marketing dauert es einfach einige Zeit, bis ausreichend Partner akquiriert wurden, diese sich für das Programm angemeldet und die Werbemittel auf ihrer Seite eingebunden haben. Hier werden nun mal echte Menschen als Partner aktiv und keine reinen Technologien – d.h. einfach so auf den Knopf drücken und es läuft, ist bei Affiliate nicht möglich.

Erfolgt die Bewerbung auch über Retargeting, müssen vorerst genügend Daten über die User gesammelt werden, um potenzielle Käufer mit den notwendigen Infos „bespielen“ zu können.

Wie lange es durchschnittlich dauert, bis ein Affiliate-Programm rentabel ist, hängt letztendlich auch stark von den beworbenen Produkten, den Partnern und der Betreuung des Affiliate-Programms ab. Letztgenanntes kann auch zum nächsten Irrtum führen:

4) Affiliate-Marketing ist ein „Selbstläufer“

Ständige Anpassungen am Markt setzen auch voraus, dass das Affiliate-Programm stets auf dem Laufenden gehalten wird. Dazu gehört unter anderem, den Wettbewerb bezüglich Affiliate-Provisionszahlungen im Auge zu behalten. Bietet die Konkurrenz deutlich mehr, kann es schnell sein, dass meine Partner zum Wettbewerber wechseln werden, sollten sie sonst keine weiteren Anreize sehen, bei meinem Programm zu bleiben.

Sind die Banner, mit denen mein Shop beworben wird, veraltet, weil die darauf angezeigten Produkte nicht mehr zeitgemäß sind, wird die Klickrate vermutlich sinken und weniger Kunden werden in meinem Shop gelangen und einen Kauf abschließen.

Wird der Affiliate-Feed nicht aktuell gehalten, spielen Retargeter und Preisvergleicher Produkte aus, die bereits nicht mehr lieferbar sind.

Verschlafe ich bei der Partnerwahl ggf. die neuesten Trends? Habe ich meine bereits registrierten Partner nicht im Auge und fall Betrugsversuchen, wie z.B. Brandbidding, zum Opfer?

5) Möglichst viele Publisher garantieren hohen Umsatz

Das klingt logisch. Ist es zum Teil auch. Je mehr Publisher, umso größer ist natürlich die Chance, einen hohen Umsatz zu generieren.

Hier gilt allerdings auch: Augen auf bei der Partnerwahl!

Nicht umsonst gibt es beispielsweise Firmen, die mit SEM-Überwachungstools ihren Lebensunterhalt bestreiten, um vor betrugsaffinen Partnern (Brandbiddern) zu  schützen.

Deshalb empfehlen wir, lieber jede Publisher-Bewerbung einzeln zu prüfen und nicht pauschal alle Bewerbungen anzunehmen. Auch die Qualität eines Partners kann über die Anzahl der Sales entscheiden. Lieber ein paar Partner weniger im Affiliate-Programm und dafür trafficstarke und qualitativ hochwertige Partnerseiten!

Denn wie so oft gilt die 80/20-Regel, nämlich, dass 20 Prozent der Partner den Großteil des Umsatzes ausmachen. Kleinere Partner sind mit einer geringeren Anzahl und oft nicht regelmäßig an der Generierung von Verkäufen beteiligt.

Mund zugeklebt

6) Kommunikation unnötig? Ich bezahle den Publisher doch!

Dass man als Merchant jeden Partner bekommt, den man für die Bewerbung seines Shops haben möchte, ist tatsächlich oft ein Irrglaube. Bei gefragten und trafficstarken Seiten ist es sogar längst typisch geworden, dass der Merchant um die Aufnahme seines Shops bei dem Partner „buhlen“ oder sogar „die Hosen runterlassen“ muss, indem er ihm Einsicht über die wichtigsten Kennzahlen seines Online-Shops gewährt.

Auch die Kommunikation in einer bereits bestehenden Kooperation sollte stets partnerschaftlich und von Transparenz geprägt sein: Es werden Änderungen am Affiliate-Programm vorgenommen und die Partner werden nicht rechtzeitig oder gar nicht informiert? Ein Vorgehen, von dem dringend abzuraten ist!

Denn: Täglich gibt es neue Affiliate-Programme, die auf den Markt drängen. Gekränkte Publisher halten nach einem Fauxpas des Merchants vielleicht schon Ausschau nach einem neuen Partnerprogramm und unterstützen dann lieber die Konkurrenz.

Uhr im Papierkorb - web-netz

7) Aktionen im Affiliate-Marketing = Zeit und Geldverschwendung?

Und genau dieser Irrtum baut auf Punkt 6 auf. Oft werden Aktionen im Affiliate-Marketing nicht gestartet, weil der Shopbetreiber der Ansicht ist, dass für den Partner nur die Höhe der Provision entscheidend ist.

Auch wenn die Provisionshöhe für viele Publisher ein wichtiger Indikator zur Bewerbung eines Affiliate-Programms ist, spielt darüber hinaus die Bindung zum Merchant eine wichtige Rolle. Partner lieben Affiliate-Programme, bei denen es etwas „on top“ gibt. Sei es die Verlosung eines ausgefallenen Gewinns oder die Erhöhung der Provision in einem bestimmten Zeitraum, um den Abverkauf zu stärken.

Sollte der Merchant seine Kommunikationspflicht mal nicht eingehalten haben oder muss aufgrund der Marge die Provisionshöhe reduzieren, kann eine stärkere Bindung dazu beitragen, dass der Publisher die Partnerschaft trotzdem aufrechterhalten wird.

Mehr zu den Vorteilen, die Aktionen im Affiliate-Marketing bieten und Tipps, wie diese umgesetzt werden können, habe ich schon mal in einem früheren Text erläutert.

8) Blogs generieren am meisten (Affiliate-)Sales

Hierbei handelt es sich tatsächlich um einen Mythos. Blogs stehen auf der Wunschliste von Merchants bei der Partnerwahl verständlicherweise oft ganz oben. Doch Blogs als Werbepartner für Affiliate-Kooperationen zu gewinnen, wurde im Laufe der Jahre komplizierter. Einige Blogbetreiber möchten ihren Blog „sauber“ halten und lehnen die Veröffentlichung von Werbung grundsätzlich ab. Andere Blogger wissen genau, wie gefragt ihre Seite ist und bieten sogar spezielle Mediapakete für die Bewerbung an. Allerdings muss man dafür tiefer in die Tasche greifen, als man eigentlich die Konditionen für das Partnerprogramm angesetzt hat.

Demnach ist die Anzahl der Sales, die über Blogseiten generiert werden, im Vergleich zu Sales, die beispielsweise über Retargeter, Gutscheinpartner und Preisvergleicher gewonnen werden können, oft geringer.

 9) Gutscheinpublisher und Preisvergleicher eignen sich nur für preiswerte Produkte

Sowohl bekannte Gutscheinseiten als auch bekannte Preisvergleicher haben einen Traffic, den man nicht unterschätzen sollte.

Es lohnt sich, auch qualitativ hochwertige und höherpreisige Produkte bei Gutscheinseiten und Preisvergleichern zu platzieren, um eine neue Zielgruppe und potenzielle Neukunden ansprechen zu können. Oft haben die großen Gutscheinseiten zudem einen eigenen Newsletter und Facebook-Follower, die neue Aktionen aufmerksam verfolgen.

Wer befürchtet, dass sich höherpreise Produkte abnutzen könnten, sollte darauf achten, Gutscheine nicht zu häufig zu veröffentlichen, sondern den Rabatt mit besonderen Ereignissen verknüpfen, z.B. Feiertagen oder absatzschwächeren Phasen. Somit kann man sowohl den Bestandskunden eine Freude bereiten und an sich binden als auch Neukunden auf sich aufmerksam machen.

10) Retargeting braucht doch keiner

Oh doch! Es gibt keine bessere Möglichkeit, um Kunden, die sich bereits im Shop bewegt, aber nicht kaufwillig gezeigt haben, wieder anzusprechen. Und um Retargeting optimal zu ergänzen, ist eine Kombination mit Pretargeting empfehlenswert: Hier werden potenziellen Kunden, die bisher den Shop noch nicht besucht haben, aber ähnliche Interessen und Kaufmerkmale aufweisen wie Bestandskunden, Werbebanner ausgespielt.

Hierbei gilt natürlich, sich in enger Abstimmung mit dem Partner, in diesem Fall dem Retargeter zu befinden, damit nicht wie der bei Punkt Zwei erwähnte „Nervfaktor“ entstehen kann.

Mehr zum Thema Re- und Pretargeting findest du auch in dem Experteninterview „How to: Retargeting im Affiliate-Marketing“.

Ich hoffe, ich konnte dir einen kleinen Einblick in das Thema Mythen im Affiliate-Marketing verschaffen. Falls du noch Fragen hast, komme gerne auf mich zu!

Viele Grüße

Unterschrift Svenja

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