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Campixx 2016: Künstliche Intelligenz hilft Suchmaschinen

Kann künstliche Intelligenz den Menschen nachahmen oder gar übertrumpfen? Um diese Frage zu beantworten, bieten Brettspiele eine mögliche Annäherung, den Wettstreit zwischen Mensch und Maschine auszufechten. 1996 gelang es dem von IBM entwickelten Schachcomputer „Deep Blue“ den damals amtierenden Schachweltmeister Garri Kasparow zu besiegen. Dafür musste eine Rechenleistung von minimal 1046 Stellungen programmiert werden. Am vergangenen Wochenende hat nun die Google-Software AlphaGo Schlagzeilen gemacht. Der Spielverlauf des aus Asien stammenden Spiel Go ist weitaus komplexer, da die Spieler mitunter intuitiv agieren und nicht rein rational.

AlphaGo hat zunächst drei Spiele überragend gegen den weltbesten Go-Spieler Lee Sedol gewonnen. Entscheidend hierfür war die Fähigkeit des Systems, aus den Spielzügen zu lernenSpannenderweise konnte dann aber im vierten Match der Mensch über die Maschine siegen. Der Koreaner konnte sich anscheinend flexibler auf seinen Gegner einstellen als umgekehrt. Am Schluss stand es dennoch 4 zu 1 für die Maschine.

Google Computer lernen auch dazu

Google nutzt maschinelles Lernen, künstliche Intelligenz bereits seit 2015, um Suchergebnisse zu verbessern. Das dafür entwickelte System heißt RankBrain. Die entsprechenden Anpassungen des Algorithmus lassen sich mittlerweile oft beobachten. Da haben wir zunächst den Knowledge Graph. So bezeichnet man die von Google aufbereitete Antwort auf eine Suchanfrage. Die Suchmaschine ist vor allem in der Lage, kurze Antworten auszuliefern –  zum Beispiel auf die Frage nach „Kalorien Banane“ oder „Geschichte Garri Kasparow“. Aber auch lokale Anfragen, wie „Kino Lüneburg liefern bereits Informationen, die dem User meist nicht mehr zum weiterklicken animieren. Der Traffic bleibt somit bei derlei informativen Suchanfragen vermehrt bei Google.

Aber auch um Suchanfragen, die mittels Sprachsteuerung übermittelt werden, oder die lange Suchphrasen umfassen, können von der Googlemaschinerie immer besser interpretiert und beantwortet werden. Nehmen wir mal das Hummingbird-Update vor 2013 – das konnte mit Hilfe von RankBrain massiv verbessert werden.

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Wie funktioniert RankBrain?

Mit Vektoren. Google verwendet künstliche Intelligenzen um Sprache in mathematische Entitäten zu transferieren und sie informationstechnologisch zu verarbeiten. Praktisch sieht das so aus, dass beispielsweise jedem Wort aus 100 Sätzen von William Shakespeare Werte zugeordnet werden. Wird der Maschine nun daraufhin ein beliebiger weiterer Satz vorgesetzt, kann sie erkennen, ob er auch von Shakespeare ist oder nicht. Dies funktioniert mit Hilfe von Big Data, also einer empirisch stichhaltigen Informationsmasse. Sieht RankBrain einen Begriff, den es nicht kennt, versucht es, verwandte Bedeutungen zu identifizieren. Hier liegt logischerweise eine gigantische Rechenleistung zugrunde.

Das (neutral formuliert) Überraschende an dieser Stelle ist, dass die Interpretationen der Maschine nach Aussage von Google besser sind, als die von Menschen, wenn sie manuell Inhalte ihren Relevanzen zuordnen sollen.

Um die Funktionsqualität von RankBrain zu testen, traten mit dem System betrauten Entwickler gegen die Maschine an. Sie sollten Suchergebnisse nach deren Relevanz einordnen. Die Menschen kamen am Schluss auf 70 Prozent richtige Ergebnisse, hingegen RankBrain 80 Prozent erreichte. Dies bestätige Greg Corrado (Senior Research Scientist)  in einem viel zitierten Bloomberg-Interview im Herbst 2015. While the humans guessed correctly 70 percent of the time, RankBrain had an 80 percent success rate.

Campixx 2016: Zukunftsthema vielseitig beleuchtet

Auch auf der diesjährigen Marketing Konferenz Campixx 2016 in Berlin vergangene Woche war künstliche Intelligenz ein wichtiges Thema. Der langjährige Online-Marketeer Kai Spriestersbach hat die Funktionalität und die Dimensionen für künftige Suchergebnisse spannend dargestellt.

Demnach ist davon auszugehen, dass wir künftig auf anspruchsvollere Anfragen mehr zufriedenstellende Antworten bekommen werden. Google wird in der Lage sein, auch Synonyme interpretieren zu können und Nischenthemen gemäß der Suchintention zu beantworten.

life size chess in the garden

Chess in the garden

Sind Computer schlauer als ihre Schöpfer?

Der elementarste Erfolgsfaktor von RankBrain ist wohl die Fähigkeit, eigenständig dazuzulernen. Somit stimmt der Satz „Der Computer ist nur so schlau, wie der Mensch ihn programmiert hat“ nun nicht mehr. RankBrain wird Google zukünftig dabei helfen, noch nie dagewesene Suchanfragen – und das sind täglich 15 Prozent aller Anfragen – besser interpretieren und beantworten zu können.

Für unsere Kundenarbeit heißt das dann mit Sicherheit, dass unser Content stärker komplexe Suchanfragen in den Fokus der Beantwortung nehmen sollte. Dies kann Tutorials (im Bereich Handwerk oder DIY) ebenso umfassen wie Typ- und Kaufberatungen.

Einfluss auf die Suchmaschinenoptimierung

Als SEO tut es natürlich schon ein wenig weh, dass der „Platzhirsch“ Google immer mehr Platz „beansprucht“. Sofern Google die Antworten im Knowlege-Graph ausspielt, ist nicht davon auszugehen, dass noch besonders viel Traffic über das Keyword generiert wird. Daher beschäftigen wir uns schon im Moment der Keywordrecherche mit der möglichen Konkurrenz durch Google.

Sinn macht es dann, Keywords und Fragestellungen zu besetzen, die nicht so einfach zu beantworten sind. „Wieviel Kalorien hat eine Banane?“ kann Google natürlich schon jetzt beantworten, aber die Frage „Kalorienarme Rezepte mit Bananen“ ist so komplex, dass es hierbei nicht durch einen kleinen Teil im Knowlege-Graph sofort eine Antwort gibt.

Wir achten daher darauf, dass wir zukünftig eher Fragestellungen fokussieren, die „zu komplex“ für Google sind – zumindest derzeit noch! Was die Zukunft hier noch bringen wird, bleibt natürlich abzuwarten. Aber wir Menschen entwickeln uns ja zum Glück auch immer weiter … und außerdem fördert dieser „Wettkampf“ ja den Sportsgeist und die Kreativität.

Liebe Grüße

Unterschrift Anna

 

 

 

Bildquellen: iStockphoto.com / © glowonconcept,  iStockphoto.com / © payphoto,  iStockphoto.com / © Arsgera

10 Kommentare

  1. Bald besteht die Welt nur noch aus 1’sen und 0’en. In vielerlei Hinsicht 😀 Aber Anna, ist der SEO jetzt also eher Robin Hood oder der Sheriff von Nottingham?

    1. Tja lieber Marius, das muss am Ende jeder SEO für sich entscheiden. Aber ich sehe weiterhin viele Möglichkeiten für unsere Arbeit. Denn jede noch so komplexe Suchanfrage verdient eine zielführende Antwort 😉

    1. Tanja Tannenbaum

      Nein, im Regelfall geht es beim Roboter-Networking eher darum, andere Maschinen durch das Spendieren eines Bieres anzuziehen. Ausgrenzung von wein trinkenden Robotern ist obligatorisch.

  2. Wieso sollte man Formulierungen finden, die zu komplex für Google sind? Das Ziel ist das Web zugänglich zu halten. Ich verstehe die Sichtweise nicht ganz. Der Traffic landet auch immer noch auf der Seite, wenn der Snippet-Text nicht nur dazu da ist eine einzige Information bereitzustellen. Suchmaschinen sind eine Abstraktion von Nutzerintentionen. Ein solches SEO das dagegen arbeitet, hat eine kurze Lebensdauer, zu Recht.
    SEO verstehe ich so, dass es für Menschen gemacht. Nämlich indem die bestmögliche UX geboten wird und nicht was Algorithmen sehen möchten.

    1. Hallo Benjamin,
      ich glaube, da sind wir grundsätzlich einer Meinung. Die Frage ist aber grundsätzlich für welchen Bereich du SEO machst. Shops/ Retailer haben sicher andere Ansprüche als bspw. Informationsseiten. Und Shorttails könnten künftig weniger Traffic bei gewissen Informationsanfragen bringen, wenn der User keine weiteren Informationen wünscht. Ich bin aber bei dir, dass dies nicht zwingend gegeben sein muss.

  3. Hi Anna,

    vielen Dank für das coole Recap. Besonders die Erläuterung von RankBrain fand ich passend. Auf unserem Blog unter http://www.netspirits.de/seo-campixx-2016-praesentationen/ haben wir die Präsentationen zu unserern Campixx Vorträgen im Rahmen unseres Recaps verlinkt. Vielleicht ist das ja für den ein oder anderen interessant:

    1) „Mind Control – Subliminal Tactics for E-Commerce“

    ​2) „User Happiness – der entscheidende SEO-Faktor in den Top-10-Rankings“

    LG,
    Timothy Scherman

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