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DSGVO, EPVO

Fehler und Folgen: Auf ein Wort! Meine 50 Cent zu den Verordnungen rund um DSGVO und EPVO

AUFWACHEN!

Schon seit ein paar Tagen gehe ich mit dem Gedanken schwanger, meine Gedanken zu der neuen Datenschutzgrundverordnung DSGVO und dem Entwurf der EPVO (E-Privacy Verordnung) loszuwerden. Alle haben sich gefreut, dass sie die Tage nichts mehr von Verordnungen irgendwo lesen können – seit dem 25. Mai ist es zunächst ein paar Tage sehr ruhig geworden, aber die aktuellen Nachrichten rund um Abmahnungen und vermeintliche Verstöße treffen unseren Mittelstand tief im Herzen.

Zu Anfang sei gesagt, dass ich grundsätzlich die Idee zum verbesserten Schutz unser aller persönlichen Daten befürworte, da in der Vergangenheit an der einen oder anderen Stelle schon sehr salopp damit umgegangen wurde. Die Frage lautet aber: Wem nützt diese von der Politik verabschiedete Verordnung am Ende des Tages und was für Konsequenzen ergeben sich daraus für uns alle, insbesondere für die mittelständischen Unternehmen?

Um die neuen Verordnungen umfassend beurteilen zu können, möchte ich zunächst einmal auf „ES“ eingehen, um zu begründen, warum die Politik in der Vergangenheit grundlegende und weitreichende Fehler im Hinblick auf die Online-Marktpolitik gemacht hat und von einer Marktanalyse ausgehend, inwieweit durch die Einführung der DSGVO sich die gesamte Marktsituation verschlimmern wird.

Noch vor wenigen Jahren waren wir Europäer marktrechtlich solide aufgestellt – doch kein Beamter dieser Welt hat damit gerechnet, dass ES kommen wird:

ES begleitet uns jetzt schon einige Jahre, hat unser Leben Schritt für Schritt unterwandert und ist mittlerweile für viele von uns eine Droge, ohne die wir unseren Alltag nicht mehr bestreiten können:

Das Internet!

In Europa herrscht seit Anbeginn ein Katz- und Mausspiel zwischen Fortschritt und Rechtslage, was zu einer chronischen Überforderung der Politik geführt hat.

Hinzu kommt erschwerend, dass 99,99 % der Politiker dieses faszinierende, ja fast lebendige Objekt Internet nie wirklich verstanden oder begriffen haben. Es gab plötzlich eine Parallelwelt ohne Gesetze, die innerhalb der letzten 20 Jahre das Leben auf der ganzen Welt für jeden kolossal verändert hat – und seither ist die Politik damit überfordert, geeignete Richtlinien für die Nutzung derselben zu definieren.

Warum ist das so? Weil in der Politik leider zu wenig Leute zu sitzen scheinen, die sich mit der Logik und der Funktionsweise der Mechanismen des Internets auskennen.

Was innerhalb der letzten 20 Jahre keiner hat kommen sehen: Mittlerweile ist das Internet ein fester Bestandteil unserer Gesellschaft geworden. Zusätzlich hat sich die Wirtschaftskraft sehr stark in diesen Sektor verlagert.

Die Folge ist eine neue Welt, die mit den bisher geltenden Regeln nicht mehr zu kontrollieren ist.

Früher hat man ein Geschäftsmodell aus der Offline-Welt in die Online-Welt übertragen und neben der Filiale auch eine „Online-Filiale“ als Shop eröffnet. Diese Logik hat sich innerhalb der letzten Jahre teilweise komplett umgedreht – immer mehr Geschäftsmodelle basieren zu 100% in der digitalen Welt und werden teilweise erst in einem zweiten Schritt in die Offline-Welt getragen, wie z.B. Pop-up Stores, die Restposten von einem Online Pure Player (OPP) verkaufen.

Genau an dieser Stelle hat unser Gesetzgeber angefangen, komplett den Überblick zu verlieren. Innerhalb von wenigen Jahren sind Unternehmen wie Google, Amazon, Apple, Booking, Uber – you name it – so mächtig geworden, dass sie maßgeblich Einfluss auf unsere Gesellschaft, unser Verhalten und unsere Meinungsbildung genommen haben.

Ist das schlimm? Wurde unsere Welt dadurch verbessert? In vielen Aspekten definitiv, in allen Aspekten definitiv nicht.

Wie auch immer man dazu steht, die Realität zeigt, dass die Welt einfach anders funktioniert als noch vor kurzem. Diese Tatsache hat langfristig Auswirkungen auf unser Leben, die wir aktuell noch gar nicht in Gänze realisieren können. Eines ist allerdings gewiss: Es passiert schnell und wir stehen erst am Anfang!

Eine direkte Auswirkung dieser Veränderung besteht leider darin, dass Politik und Gesetzgebung jetzt schon abgehängt worden sind.

Player wie Amazon oder Facebook haben weitestgehend unregulierte Imperien aufgebaut, eigene Welten, von denen inzwischen ein nicht unerheblicher Teil unserer Wirtschaft abhängt.

Diese Tatsache ist allerdings nicht ganz neu – schon seit Jahren sieht man viele Firmen in die Insolvenz gehen, wenn Google als Haupt-Traffic-Lieferant seinen Algorithmus anpasst und in diesem Zuge wertvolle Rankings verloren gehen. Erst wenn es zu spät ist, spüren viele die wahre Macht der Giganten.

Somit frage ich die Politik: Warum wurde nicht schon viel früher eingeschritten und reguliert? Richtig reagiert hat in meinen Augen, der durch seine strengen Regularien sehr kritisierte Staat China. Durch das Blockieren von Amazon, Facebook und Google ist der Internet-Binnenmarkt abgesichert. Dadurch konnten sich erfolgreiche chinesische Player am Markt entwickeln und etablieren, die eine gewisse Unabhängigkeit von den Giganten erreicht haben und dadurch eine ausgleichende Konkurrenz darstellen. Diese Firmen sind aktuell die einzigen auf dem Weltmarkt, die den großen amerikanischen Playern etwas entgegenzusetzen haben.

Ob das die einzig richtige Lösung ist und ob man gleich den gesamten Weltmarkt ausschließen muss, ist natürlich fraglich, allerdings gibt es ja nicht nur schwarz und weiß, sondern viele Farben im Spektrum.

Europa und Deutschland jedenfalls blieben bislang farblos und unternahmen überhaupt nichts.

Dieser Winterschlaf der Politiker beschert uns ein Dilemma, aus dem es so leicht kein Entkommen mehr gibt.

Denn seien wir mal ehrlich: Aktuell fehlt es an starken Firmen, die auf dem Weltmarkt im digitalen Umfeld konkurrenzfähig sind – sowohl in Deutschland als auch in Europa.

Unsere Politiker bemühen sich aktuell eher darum, den Unternehmen durch komplizierte Steuerregeln und jetzt auch noch durch teilweise komplett sinnbefreite Dokumentations- und Einschränkungsregeln der DSGVO und der EPVO das Leben schwer zu machen, anstatt Neugründungen zu unterstützen und das Unternehmertum als echte Alternative zu fördern und attraktiv zu machen. Ich kenne viele Gründer, die in den letzten Jahren an Umsatzsteuervorauszahlungen gescheitert sind, oder Firmen, die ihren Standort nicht halten konnten, weil die Internetleitung seit der Umstellung auf Voice Over IP nicht mehr ausreichend schnell ist, um ein flüssiges Telefonat führen zu können.

Liebe Politiker, Ihr habt uns durch Eure Naivität und Fehlentscheidungen in eine verflixte Situation gebracht. Unabhängig von der katastrophalen Infrastruktur in Deutschland brauchen wir uns nur unseren Markt anzuschauen, und es kann einem angst und bange werden.

Wie oben angedeutet, dominieren mittlerweile die großen amerikanischen und chinesischen Player fast alle interessanten Online-Geschäftsfelder und erschweren den Markt für die Mittelständler – die stärkste Stütze unserer Wirtschaft. Durch die große Werbemacht der maßgeblich amerikanischen Player werden Anzeigen und Auktionen teurer, wodurch die Margen kleiner und die Einstiegsbarrieren für kleinere Player stark erhöht werden. Der größte Hammer dabei ist allerdings immer noch der Fakt, dass diese Player in unserem Land keine Steuern zahlen müssen und die Politik diesen Zustand nicht in den Griff bekommt. Wer eins und eins zusammenzählen kann, wird schnell darauf kommen, dass dieser Zustand nicht gerade zu einer gerechteren Verteilung der Werbemöglichkeiten der Unternehmen für ihre Produkte führt und dass diese Ungerechtigkeit dem steuerzahlenden Mittelständler zusätzlich schadet. Er ist also zwei Mal gekniffen.

Durch diese Situation gibt es jetzt schon sehr viele Online-Händler, die mit extrem kleinen Margen arbeiten müssen, um überhaupt überleben zu können. Bis vor kurzem verhöhnte einen stets die geschaltete Amazon-Anzeige, die prominent bei fast jeder produktrelevanten Suchanfrage bei Google erschien und dadurch die Preise der Auktionen in die Höhe trieb und immer an erster Stelle stand.

Wer nicht in der Lage ist, die Klaviatur des Online-Marketings perfekt zu spielen, wird der Verlierer in einem sich konsolidierenden Markt. Dieser Zwang zur Perfektion besteht darin, den größtmöglichen „Bang for the bug“ zu erzeugen. Wer dazu nicht in der Lage ist, gehört zu den Verlierern in diesem Spiel. Für viele Mittelständler geht es in diesem Spiel ums Überleben – werden die Anzeigen teurer, ist es um die Marge geschehen und nehmen sie nicht an den Auktionen teil, bricht der relevante Besucherstrom und damit der Umsatz ein.

Denn bislang konnte nur derjenige am Wettbewerb teilnehmen, der seine Werbeaktivitäten zielgenau auf seine Zielgruppe richten und somit sein Werbebudget optimieren konnte.

Genau das war bislang möglich, indem (relativ) genau ausgewertet werden konnte, über welche Ansprache, Quelle und Medien Interessenten auf die Website gelangt sind und wie viele davon letztendlich auch gekauft haben. Entsprechend dieser Informationen konnten die Marketing-Aktivitäten und Budgets angepasst, verschoben und optimiert werden. Was für ein Segen für den Werbetreibenden! Ihm ist es dabei auch komplett egal, wer als Individuum hinter dem Kauf steht, die Zielgruppe an sich ist dabei viel eher von Interesse – denn die will man als Werbetreibender immer ansprechen.

So wurde mit dem Technologiefortschritt ein Weg gefunden, um die Werbewirkung ganz passabel messbar zu machen. Wir bewegen uns damit in einem Umfeld, in dem der Kunde so wenig wie möglich willkürlich nerviger Werbung ausgesetzt wird, die ihn nicht interessiert.

Was die meisten Leute in Deutschland nicht zu verstehen scheinen: Der Werbung an sich können wir uns nicht entziehen und es wird sie immer geben, damit wir viele Dienstleistungen, wie z.B. die Google-Suche kostenfrei nutzen können.

Liebe Politiker, haben Sie sich jemals Gedanken darüber gemacht, inwieweit das Aussteuern von Werbung den Motor für einen Großteil unserer Wirtschaftskraft beeinflusst?

Was hat es zur Folge, wenn wir anfangen, die Messbarkeit der Benutzerströme einzuschränken? Denn genau hier setzen die DSGVO und die EPVO an:

  1. Ohne Cookies ist eine Messbarkeit und damit keine Auswertung von Besucherströmen mehr möglich.Was hat das für Konsequenzen? Die Effizienz der Werbung wird steil in den Keller gehen und wir setzen uns technologisch zurück in die Zeit vor dem Internet, zu der keine wirklich effiziente Werbemessung möglich war. Ist das schlimm? Nur für die Mittelständler, die eine extrem schmale Marge haben und die effiziente Werbeaussteuerung zwangläufig benötigen. Ohne eine zielgruppenspezifische Ansprache ist die Wahrscheinlichkeit damit nicht allzu klein, dass wir die von Experten schon für die nächsten Jahre lang prophezeite Konsolidierung innerhalb weniger Monate erzielen können. Falls es so kommt, soll dann aber bitte keiner jammern, wenn Firmen reihenweise in die Insolvenz getrieben werden, Arbeitsplätze zerstört werden, nur damit ein paar kleinkarierte Halbwissende besser schlafen können, weil ihre Daten endlich vermeintlich „sicher“ verwahrt und nicht mehr „verwendet“ werden bis der nächste Hacker eben diese Daten entwendet und der Allgemeinheit über Megaupload zur Verfügung stellt oder dazu nutzt, in anderen Online-Shops einzukaufen. Ich bin mal gespannt, ob man die Datensicherheit immer noch so erstrebenswert findet, wenn die eigene Firma keinen Atem mehr hat, weil die Umsätze wegbrechen, weil man plötzlich nur noch die breite Masse mit 0815 Slogans ansprechen kann. Dies mag vielleicht ein wenig spitz formuliert sein, aber im Internet verhält es sich genauso wie beim Klauen eines Autos: Wer wirklich an Daten herankommen will, wird schon Mittel und Wege finden, sich diese zu beschaffen. Eine 100%ige Sicherheit gibt es nun einmal nicht und wird es auch nicht geben, wenn man sich in der Online-Welt bewegt.
  1. Das Unternehmertum wird immer unattraktiver. Als ich neulich einem Freund aus den USA erzählte, dass wir seit Monaten eine Person haben, die sich ausschließlich mit dem Thema Dokumentation der Prozesse beschäftigt und wieviel Geld wir in den vergangenen Jahren investieren mussten, damit unsere IT „rechtskonform“ aufgestellt ist, wurde mir die Frage gestellt, wer denn heutzutage noch so dämlich ist, eine Firma in Deutschland zu gründen. Er würde die Power lieber in die Weiterentwicklung der Firma stecken – enough said. Unternehmen werden in Deutschland dazu gezwungen wichtige Ressourcen dafür aufzuwenden, dass die Konsolidierung des deutschen Marktes schneller voranschreiten kann – herzlichen Glückwunsch! Die Wettbewerber im Ausland – an dieser Stelle sei gesagt, dass das Internet tatsächlich INTERNATIONAL ist – lachen sich ins Fäustchen und finden dadurch noch mehr Möglichkeiten, einen monetären Vorsprung und noch mehr Investmentpower aufzubauen. Und in Deutschland wird dann immer diskutiert, warum keiner mehr Lust auf eine Firmengründung hat. Man sollte spaßeshalber einmal aufaddieren, wieviel Ressourcen deutsche Firmen gerade verschwenden, damit eine Rechtskonformität gewährleistet ist und Erna von nebenan besser schläft. Ich kann mir richtig vorstellen, wie Jeff Bezos auf die Deutsche und Europäische Politik anstößt. Denn die großen Firmen haben inzwischen abgeschlossene Systeme geschaffen, die so oder so von allen weiterhin genutzt werden. Die meisten von uns haben unlängst per einfachem Klick bestätigt, dass wir weiterhin explizit zustimmen, dass die ausländischen Konzerne auch zukünftig mit unseren Daten tun und lassen können, was sie wollen. In diesen geschlossenen ausländischen Systemen erlauben wir, dass Profile von uns angelegt werden, unsere Daten gespeichert und ausgewertet werden dürfen, damit der Konzern uns weiterhin gezielte Werbung aussteuern kann und anscheinend stört das einfach mal – NIEMANDEN. Ergo: erneut gewinnen die ohnehin schon starken Weltmächte, denn sie bieten uns etwas, auf das wir als Nutzer nicht verzichten KÖNNEN, weil es keine adäquate Alternative gibt. Der Versuch der Reglementierung prallt erneut an den Amazonen dieser Welt ab und sie werden zukünftig die einzigen sein, die ihre Marketing Spendings noch effizienter einsetzen können, um den ohnehin schon riesigen Vorsprung auf dem Weltmarkt noch viel weiter auszubauen. Währenddessen verscheucht und verunsichert der EU-Shop-Betreiber jeden Nutzer schon beim ersten Besuch der Website durch Aufklärungs-Pop-ups. Hat sich darüber eigentlich schon ein Politiker mal Gedanken gemacht? Wer soll eigentlich vor wem geschützt werden und zu welchem Preis, liebe Politiker? Warum konzentrieren wir uns nicht auf die Förderung von neuen Ideen, der wirtschaftlichen Weiterentwicklung und der Stärkung unserer Position auf dem Weltmarkt? Anstatt sie im Keim durch unsere brutalen Reglements zu ersticken? Der erste Angestellte in einem Start-up ist heutzutage ein Datenschutzbeauftragter, der unkündbar ist und alle Innovationen durch den Satz hemmt: „Ah sorry, gute Idee, aber das wird so leider nicht funktionieren, da brauchen wir erst einmal eine schriftliche Einwilligung und vorher müssen wir den Prozess einmal gründlich definieren!“ Genauso erfreut sich der Mittelstand, wenn der hart erarbeitete Gewinn aus dem letzten Jahr nicht für die Weiterentwicklung der Firma und in die guten Mitarbeiter investiert werden kann, sondern in das Aufsetzen von sinnlosen Prozessbeschreibungen, die nie jemand lesen wird.
  1. Warum werden Regeln aufgestellt, deren Konsequenzen nicht abgeschätzt werden können? Das gesamte Thema DSGVO hat sowohl in den Medien als auch im Alltag von mir aktuell einen immer größeren Raum eingenommen und es gibt immer mehr Fragen, die bislang ungeklärt sind und auf die keiner so richtig eine zufriedenstellende Antwort hat – jeder hat eine Meinung, keiner hat wirklich Ahnung. Die Politik und Anwälte sind dabei leider nicht ausgenommen, da dort das Verständnis für die Online-Mechanismen gar nicht im Detail vorhanden ist, wie ich schon oben ausgeführt habe. Ich freue mich schon auf die nächsten Tage.
  1. Unabhängig vom Online-Marketing sollte es jedem von uns zu denken geben, dass jeder Dackelclub jetzt einen Datenschutzbeauftragten benötigt und mit Abmahnungen rechnen muss, wenn er seinen Aufritt nicht rechtskonform gestaltet und eine Dokumentation mit mindestens zwölftausend Dokumenten anfertigt. Es gibt weiterhin vermehrt Meldungen, dass ehrenamtliche Fanclubs und Blogger ihre Websites offline stellen, weil viele Angst vor Fehlern mit kostenreichen Konsequenzen haben.
  1. Interessant ist, was auch Punkt 4 deutlich macht, dabei der Fun Fact, dass keiner eine Ahnung hat, was für weitere Kreise diese neue Datenschutzgrundverordnung ziehen wird.

Der Sekt ist schon kaltgestellt

Ich habe mir auf jeden Fall schon einmal meinen Sekt kaltgestellt und bin bereit, die Popcornmaschine anzuwerfen, um Zeuge zu werden, wie sich die Deutsche Wirtschaft selbst zerlegt und an diesem gesamten bürokratischen Blödsinn erstickt.

Ein kleiner Trost bleibt allerdings dabei: Die zerstörten Arbeitsplätze werden aufgefangen, denn bald werden Umschulungen zum Datenschutzbeauftragten sehr hoch im Kurs stehen und auch die Anwälte in meinem Freundeskreis freuen sich auf eine rosige Zukunft.

Außerdem habe ich Aktien von Amazon und Facebook, denn die werden sich durch unsere Europäische Idiotie in nächster Zeit sehr gut entwickeln.

 

Bildquelle Titelbild : © by web-netz

8 Kommentare

  1. Hallo Sebastian,
    ein Artikel der mir zutiefst aus der Seele spricht. In den letzten Wochen herrscht zumindest bei uns in der Agentur nur noch Frust.
    Allein die Zeit die aufgewendet werden musste um überhaupt zu klären was nun für eigene als auch für Kundenprojekte an DSGVO Maßnahmen ergriffen werden muss hat dermaßen viel Zeit verschlungen….das muss man als Mittelständler erst einmal aufbringen können.
    Ich finde es bis heute zutiefst verstörend dass es immer noch zig verschiedene Meinungen zu verschiedenen nötigen Maßnahmen gibt.
    2 Anwälte – 2 verschiedene Aussagen – das war zumindest unsere Erfahrung.

    Mein persönliches Feindbild sind mittlerweile „Cookie Banner“ geworden. Es muss doch andere Lösungsansätze geben als nun bei jeder Seite erst einmal so einen nervigen Banner wegzuklicken. Das Upgrade der Cookie Boxen lässt mich als User erst einmal 5min durchlesen welche Cookies ich im Detail akzeptieren möchte.
    Das Highlight habe ich gester von einem Bekannten bekommen – wer mal kurz den Kopf schütteln mag darf gerne einmal auf https://weather.com/de-DE/ gehen. Der Otto Normalverbraucher blickt doch spätestens hier nun überhaupt nicht mehr durch – eigentlich wollte man sich nur kurz das Wetter von morgen anschauen.

    Wir dürfen gespannt sein wie es weitergeht.

  2. Hallo Herr Loock, als aufmerksamer Newsletterabonent ist Ihr Bericht wirklich herausragend und mehr als zutreffend. Besser hätte ich es auch nicht ausdrücken können. Da ich als Social Media Manager mit Facebook und Co. Täglich arbeite , kann ich Ihnen nur zustimmen. Das was momentan entschieden wurde, halte ich persönlich als kontraproduktiv und völligen Schwachsinn. Ich danke Ihnen für Ihre Sichtweise und wenn man bedenkt wie lange darüber im Europaparlament diskutiert wurde und vor allen Dingen wie viel dieser Schwachsinn gekostet hat, dann kann man nur mit dem Kopf schütteln und gespannt sein, wann Google, YouTube und andere dran sind. Welcome back to Steinzeit. Ich als Verantwortlicher in unserem Unternehmen werde mich auf keinen Fall unterkriegen lassen, denn wie sagte ein Kunde über Facebook, „wenn das Unternehmen seriös ist, dann geht es auch seriös mit unseren Daten um“. Das trifft es auf den Punkt, denn so handhaben wir das auch schon vor dieser DSGVO und seit mittlerweile über 100 Jahren. Punkt! Vielen Dank für diesen tollen Artikel. Gruß E.Kroll

  3. Hallo Herr Loock,

    vielen Dank für Ihren Beitrag zur neuen Rechtslage im Internet. Nun ist vor zwei Tagen auch noch ein Urteil vom EuGH zu Facebook-Fanpage-Betreibern hinzugekommen.
    Momentan muss wohl jeder „Webworker“ tief durchatmen, um diese Bankrotterklärung der Politik verkraften zu können.

    Dass das Internet ein paar Jahre nach der Aussage von Frau Merkel immer noch Neuland für viele Politiker ist, hätte ich nicht erwartet, aber es scheint wirklich die Realität zu sein.

    Mit solchen haarsträubenden Entscheidungen, die das Internet in die Steinzeit katapultiert haben, wird es schwer, junge Menschen für die Gründung von innovativen Startups zu begeistern.
    Dennoch hilft das kollektive Jammern auch nicht. Wir müssen uns mit den Regelungen arrangieren und hoffen, dass in naher Zukunft keine Verschärfungen hinzukommen.

    Irgendwie geht es immer weiter. Die Auswirkungen auf die deutsche und europäische Wirtschaft werden nicht sehr positiv sein. Am besten würde alles zusammenbrechen, vielleicht würde man dann zurückrudern und die Datenschutzregelungen aufheben? Ich träume mal weiter. 🙂

    Grüße
    Susanne Braun

    1. Sebastian

      Hallo Frau Braun,

      da haben Sie leider recht – jammern hilft nicht wirklich. Ich habe allerdings die Hoffnung, dass die Politik sich vielleicht mit konstruktiven, kritischen Stimmen auseinandersetzt und das wir durch Aufklärungsarbeit doch etwas erreichen können.

      Grüße
      Sebastian Loock

  4. Hallo Herr Loock,
    wenn ich auch die Stoßrichtung der DSGVO grundsätzlich begrüße, und ich stelle in meinem Postfach fest, dass auch viele amerikanische Marketer sie ernst nehmen und nicht gleich in Bausch und Bogen verbannen, so muss man doch sagen, dass hier das Kind mit dem Bade ausgeschüttet wird.

    Früher gab es mal ein Bundeskartellamt, das offenkundig für diese Art Geschäfte nicht zuständig war – oder wie sonst kann man sich die Monopolstellung von Google, Facebook, Amazon etc. erklären? Wie Sie schreiben: Die Großen bekommen – mangels Alternativen (s. Facebook) – eine User-Zustimmung zu fast egal was.

    Es gibt aber leider noch einen weiteren Aspekt:
    Da auch Kleinstfirmen und Einzelunternehmer der DSGVO in gleichem Maße unterliegen und Cloud-Anbieter wie z. B. Dropbox einen Auftragsverarbeitungsvertrag nur noch für die teureren Versionen anbieten, werden all die „Kleinen“ in Scharen dorthin getrieben, wo sie für „kleines Geld“ (z. Z. 8€/Monat) einen AVV bekommen können, um konform zu werden. Und wo ist das? Natürlich bei Google, denn nur die können das so günstig anbieten.
    Und die Daten all ihrer Kunden nehmen sie natürlich dorthin mit!
    Dabei steht die Beeinflussbarkeit der Datenverarbeitung durch den Auftraggeber de facto nur auf dem Papier.

  5. Ein wunderbar geschriebener Artikel, der es auf den Punkt bringt. GDPR ist ein nicht zuende gedachtes Konzept, welches der gesamten europäischen Wirtschaft schadet. Ich finde den Ansatz ja gut, die Daten einzelner besser Schützen zu wollen – es zeigt aber halt auch das man weder in Brüssel noch in Berlin dieses „Internet“ verstanden hat.

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